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Distraktionswirkung bei jüngeren und älteren Personen

Kooperationsprojekt zwischen Dr. S. Berti, Prof. E. Schröger (Kognitive & Biologische Psychologie, Uni Leipzig) und dem EEG-Fo-Labor (Dr. M. Grunwald)

Problem/Idee:

Ältere Vpn zeigen in vielen (kognitiven) Experimenten (wie zum Beispiel KZG-Aufgaben) eingeschränkte Leistungen im Vergleich zu jüngeren Vpn. Dabei zeigt sich aber oft, dass gesunde ältere Vpn die eigentliche Aufgabe meist ohne Leistungseinbußen bearbeiten könnten, dabei aber weniger gut mit Zeitdruck oder Störungen umgehen können. Trennt man nun im Rahmen von Arbeitsgedächtnisaufgaben die Anforderung der Speicherung von Information mit der Anforderung der Koordinierung verschiedener Aufgaben (z.B. Ausblenden von Störungen oder von irrelevanter Information), dann ist es wahrscheinlich, dass gerade diese Koordinierung verschiedener Teilsysteme gestört ist, während die Einzelprozesse unbeeinträchtigt sein können. Mit dem Distraktionsparadigma (Schröger & Wolff, 1998, Cognitive Brain Research 7, 71-87). können wir einige solcher Koordinationsprozesse abbilden. Konkret geht es um die Frage, wie das kognitive System mit irrelevanter Information umgeht, die eine aktuelle Aufgabe stört. Normalerweise können (junge) Vpn diese irrelevante Information nicht vollständig ausblenden sondern müssen sie bis zu einem gewissen Grade verarbeiten. Eine Veränderung in der Umwelt wird auch dann wahrgenommen, wenn die Veränderung eine irrelevante Eigenschaft bzw. Information betrifft (in unserem Fall meist eine irrelevante Frequenzveränderung). Dies ermöglicht eine flexible Reaktion auf Veränderungen in der Umwelt. Um aber die aktuelle Aufgabe weiter bearbeiten zu können, müssen die Vpn ihre Aufmerksamkeit wieder re-orientieren. Diese Reorientierung kostet Zeit, so dass sich die Ablenkung durch die irrelevante Aufgabe in verlängerten Reaktionszeiten (und weniger in erhöhten Fehlern) widerspiegelt. Auf EKP-Ebene bilden sich dabei verschiedene Teilprozesse in spezifischen Komponenten ab: die MMN (für die sensorische Veränderungsdetektion), die P3a (für die Ablenkung von der relevanten Information) und die RON (für die Reorientierung der Aufmerksamkeit auf die relevante Information). 

Aus anderen Studien wissen wir, dass sich die MMN weniger stark im Altersgang verändert, dass die sensorische Vorverarbeitung also bei gesunden älteren Menschen nicht verändert sein dürfte. Dagegen zeigt sich bei der P3a eine deutliche Abhängigkeit bei Erwachsenen vom Alter (v.a. die Verteilung auf der Kopfoberfläche). Hier sind also Unterschiede zu erwarten, die sich auch auf der Verhaltensebene niederschlagen dürften. Für die RON ist eine Abhängigkeit vom Alter dagegen offen. Erste Untersuchungen gibt es nur für Kinder. 

Distraktionsparadigma:

Den Vpn werden alle 1.3 sec Sinustöne mit einer Dauer von 200 oder 400 ms präsentiert. Die Vpn müssen dabei per Tastendruck entscheiden, ob der aktuell präsentierte Ton kurz oder lang war. Die Töne werden in 88% der Trials mit einer Frequenz von 1000 Hz präsentiert. In 12% der Fälle sind die Töne 100 Hz höher oder tiefer. Diese Veränderung muss/soll aber nicht weiter beachtet werden. 

Das Setting wird an der gleichen Stichprobe, nach ca. 6 Monaten, bei veränderter Stimulimodalität, wiederholt. Als Stimuli werden Vibrationsreize im Bereich von 200Hz (Zeigefinger) genutzt. 

Experimentelle Fragestellung:

Welche Unterschiede finden sich bei alten Vpn bei der Bearbeitung relevanter und der Unterdrückung irrelevanter Information (im Sinne des Distraktionsparadigmas) in den angesprochenen Variablen RT, MMN, P3a, RON? 

Veröffentlichung:

Berti, S., Grunwald, M., Schröger, E. (2013) Age dependent changes of distractibility and reorienting of attention revisited: An event-related potential study. Brain Research. 156-166.