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Untersuchungen zur Effektivität verschiedener Arten von taktiler Fußstimulation bei Apnoephasen Frühgeborener

Frühgeborene haben häufig Atemregulationsstörungen. Je unreifer das Frühgeborene ist, umso stärker ist die Fähigkeit zur selbständigen und kontinuierlichen Atmung beeinträchtig. Die Schwere dieser Störungen reicht bis zum Atemstillstand (Apnoephasen) (Di Fiore, 2016; Eichenwald, 2016). Je nach Entwicklungsstand können die Apnoephasen in Abständen weniger Minuten oder Stunden auftreten. Wird eine Apnoephase nicht durch geeignete Maßnahmen unterbrochen, verstirbt das Frühgeborene, oder es erleidet Schäden durch Sauerstoffmangel mit der möglichen Folge einer lebenslangen Behinderung. In der klinischen Praxis wird versucht, durch leichte Atemunterstützung sowie durch pharmakologische Interventionen das Auftreten von Apnoephasen einzudämmen (Di Fiore, 2016; Doyle, 2016). Bislang gibt es jedoch keine medizinische Intervention, die das Auftreten von Apnoephasen zuverlässig verhindert. Durch permanentes Monitoring der Sauerstoffsättigung beim Frühgeborenen wird beim Auftreten von Apnoephasen, ein akustischer und/oder optischer Alarm ausgelöst, der vom medizinischen Personal registriert wird. In diesem Fall ist es Versorgungsstandard, dass das medizinische Personal das betroffene Kind visuell nach Ursachenzeichen der Apnoephase untersucht. Wird festgestellt, dass die Apnoephase nicht auf andere Ursachen zurückgeführt werden kann (z.B. durch verlegte Atemwege), dann führt das medizinische Personal am betroffenen Kind leichte taktile Stimulationen durch. Hierbei berührt das Personal mit den zuvor desinfizierten Händen die Fußsohle oder den Oberkörper. Die taktile Stimulation der Fußsohle wird wegen ihrer schnellen Zugänglichkeit und hohen Sensibilität als Behandlungsmethode empfohlen. Bedingt durch den taktilen Reiz gelingt es in der Regel, dass die selbständige Atmung beim Frühgeborenen wieder einsetzt. Sowohl die Stärke, die Dauer und die Frequenz dieser taktilen Stimulation sind individuell verschieden weil sie von unterschiedlichen Personen durchgeführt werden. Verbalsprachlich wird die applizierte Druckstärke als „leicht“ bis „mittelstark“ beschrieben. Diese Form der Körperstimulation wird vom klinischen Personal solange durchgeführt, bis das Frühgeborene wieder regelmäßig atmet.

Das hier beschriebene körperlich-taktile Stimulationsverfahren wird weltweit mit dem Ziel der Beendigung der Apnoephasen eingesetzt. Trotz dieser als Standard etablierten Stimulationsmethode ergeben sich aus wissenschaftlicher Perspektive einige Fragen, die bislang noch nicht systematisch untersucht wurden. So fehlen verlässliche Daten, bei welcher Form der taktilen Stimulation (Druckstärke, Frequenz, Dauer) die Apnoephasen bei Frühgeborenen sicher und schnell beendet werden können. Weil die taktile Stimulationsform im klinischen Alltag von unterschiedlichen Personen durchgeführt wird, sind Druckstärke, Druckdauer und Frequenz der applizierten Druckreize entsprechend variabel. Bislang wurde noch nicht untersucht, wie sich die verschiedenen Stimulationsarten – bedingt durch verschiedene Personen – auf das Wiedereinsetzen der Atmung auswirken. Ebenso ist unklar, ob sich die individuell verschiedenen Formen der taktilen Stimulation auf den Wachstums- und Entwicklungsverlauf des Frühgeborenen auswirken. Insgesamt handelt es sich demnach bei der manuellen taktilen Stimulation von Frühgeborenen mit dem Ziel des Apnoeabbruchs um eine medizinische Behandlungsmethode, deren Applikationscharakteristik individuell sehr verschieden ist und über die keine objektiv quantifizierbaren Parameter verfügbar sind.

in Kooperation mit:

Prof. Dr. Ulrich Thome, Abteilung für Neonatologie, Universitätsklinikum Leipizg

Ergebnisse:

Martin, S.; Thome, U.; Grunwald, M.; Mueller. S.M. (submitted). Light or deep pressure: medical staff members differ extensively in their tactile stimulation during preterm apnea.

gefördert durch: