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Begriffsbestimmungen zwischen Psychologie und Physiologie

Martin Grunwald

„Wenn das Tasten nicht eine einzige Wahrnehmung, sondern eine Mehrzahl ist, sind auch seine Gegenstände eine Vielheit„. Auf diese Weise verstand Aristoteles [1] den Tastsinn und man kann ergänzen, daß nicht nur die Gegenstände vielfältig sind, sondern auch die begrifflichen Bestimmungen, die mit dem Tastsinn in Zusammenhang gebracht werden. So ist festzustellen, daß in der durchaus umfangreichen internationalen und nationalen Literatur zum Tastsinn eine unübersichtliche Menge von Begriffen und Begriffskombinationen verwendet werden. Es kann jedoch nicht Aufgabe von Begriffsexegesen sein, die bestehenden Differenzen zu disziplinieren. Vielmehr sollten die verwendeten Begriffsbestimmungen in der Forschungsliteratur kritisch differenziert werden. Aus diesem Grund erscheint es sinnvoll, einige wesentliche Begriffe, die im Zusammenhang mit Erörterungen des Tastsinnes und der Tastwahrnehmung verwendet werden, zu beschreiben und ihren Standort zu bestimmen. Die Hoffnung besteht darin, den Gebrauch der jeweiligen Kategorien zu reflektieren - den Nutzen, Anspruch und deren Bedeutung herauszuarbeiten. Das alles vor dem Hintergrund einer erkenntnistheoretischen Einsicht Imanuel Kant’s, die uns lehrt, daß das menschliche Erkennen nur soweit und in den Grenzen der vorhandenen Begrifflichkeit möglich ist. 

Der Ausgangspunkt unserer Betrachtung ist die Kategorie des Tastsinnes, sowie synonyme Bestimmungen im deutschen Sprachgebrauch. Es wird dargestellt, welche Subkategorisierungen des Tastsinnes auftreten und weshalb in der Literatur verwendet werden. Dabei wird auf die Einflüsse von Forschungsarbeiten aus der Psychologie und Physiologie und auf entsprechende Begriffsdifferenzen eingegangen. Abschließend werden Hypothesen zu den möglichen Ursachen der Begriffsvielfalt erörtert.

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