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Elementareinheiten des somatosensorischen Systems als physiologische Basis der taktil-haptischen Wahrnehmung

Lothar Beyer und Thomas Weiss

Der Tastsinn, die haptische Wahrnehmung, vermittelt uns zum einen die Wirkung mechanischer Reize auf unsere Körperoberfläche und andererseits Informationen über die Beschaffenheit von Gegenständen beim untersuchenden Abtasten mit der Hand. Beide Funktionen sind hochgradig abhängig von der genauen Erfassung mechanischer Ereignisse beim Kontakt mit der Haut - insbesondere beim Kontakt mit der Hand und der Mundregion (Lippen/ Zunge). Der wirksame bzw. wahrgenommene Reiz ist ein mechanisches Ereignis (eine Veränderung in der Umwelt), entweder als Veränderung per se in der unmittelbaren Umwelt der Körperoberfläche (passive Herkunft des Reizes) oder aber eine Veränderung als Wechsel des Reizes, hervorgerufen durch die explorative Aktivität selbst (aktive Herkunft des Reizes). Den eigentlichen mechanischen Reiz stellt letztlich immer ein äußerer Druck oder ein äußerer Zug an der Haut dar, der je nach seiner aktiven oder passiven Herkunft verschiedene Qualitäten aufweist. 

Als Ausgangspunkte für taktil-haptische Informationen und deren Verarbeitung im somatosensorischen System sind verschiedene Klassen von Hautrezeptoren, aber auch Muskelspindel und Sehnenspindel zu charakterisieren. Eine Schlüsselrolle bei der Gewinnung von Information über mechanische Reize und Reizänderungen spielen sensible Nervenendigungen, die auf das Aufspüren mechanischer Ereignisse spezialisiert sind und deshalb als Mechanorezeptoren (Mechanosensoren) bezeichnet werden. Diese sensiblen Nervenendigungen, die peripheren Axonausläufer der Spinalnerven und der sensiblen Hirnnerven, lassen sich nach ihrer anatomischen Lage, ihrem histologischen Erscheinungsbild und nach ihren physiologischen Eigenschaften in verschiedene Gruppen unterscheiden. 

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