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Sprachentwicklung und haptische Wahrnehmung

Christiane Kiese-Himmel

Spracherwerb und Sprachnutzung des Menschen basieren auf der Ausbildung einer Symbolfunktion. Symbole sind die Grundlage für Begriffe, hinter denen das Konstrukt des Konzepterwerbs steht. Begriffsbildung setzt sensomotorische Erfahrungen mit Objekten, insbesondere verschiedenen Objektmerkmalen, Personen, Ereignissen sowie situationsbezogenen Handlungen voraus, die von anderen unterschieden, als ähnlich oder kontextuell zusammengehörig kategorisiert und für das jeweilige Repräsentationsformat definiert werden. Ein Begriff stellt eine kognitive Einheit dar, der aus der Verarbeitung von Informationen entsteht und im Wort seine äußere Form erhält. In neueren Säuglingsexperimenten konnte gezeigt werden, daß sehr junge Kinder bereits ein Konzept von einem Objekt haben, bevor sie das Wort dafür lernen, z. B. [5, 53]. Das Herzstück einer Sprache ist ihre Symbolfunktion, die in der verbalen Sprache durch das Wort, in einer Gebärdensprache1 durch die Gebärde ausgedrückt wird. Die spezielle Anordnung von Symbolen kennzeichnet die Beziehungen zwischen den jeweiligen Konzepten. 

Die gesprochene Sprache der Umgebung („Muttersprache„) wird in den ersten Lebensjahren im Rahmen der Sprachentwicklung (primärer Spracherwerb) erworben, die in ihrer Sequenz bei gesunden Kindern aller Sprachen und Kulturen beachtliche Gemeinsamkeiten aufweist. So geht etwa der präverbale Entwicklungsabschnitt der linguistischen Entwicklung voraus. In der Sprachentwicklung erwerben Kinder ein Lexikon mit Wörtern, Konzepten, für die sie stehen und Regeln, nach denen die Wörter flektiert und miteinander kombiniert werden. 

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