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Haptische Wahrnehmung und Design

Rainer Schönhammer

Schöner Schein und Anfassen

"Design" steht, wie es etwa vor ein paar Jahren im Titel eines "Spiegel Spezial" [4] hieß, für den "schönen Schein", für die Ästhetisierung der Gegenstände. Ganz selbstverständlich denkt man dabei an die sichtbare Gestalt der Sachen. In der Zunft der Gestalter belächelt man dieses Bild von Design. Ist Designern doch die Gewißheit der eigenen Zuständigkeit fürs Funktionale zur zweiten Natur geworden. Und auch wenn ein Designer sich jener Doktrin, gemäß der die Frage nach der Form sich mit jener nach der Funktion beantworte, nicht anschließen mag, wird doch jeder, der eine Design-Ausbildung hinter sich hat, den Satz unterschreiben: Design formt nicht minder den Umgang mit den Dingen als ihre Gefälligkeit. Und Umgang heißt nicht zuletzt: Anfassen. 

Design kommt also am Haptischen, dem Spüren der Materialien und dem Handhaben der Formen, nicht vorbei. Über die Qualität der haptischen Gestaltung und die entsprechende Qualifikation der Designer ist mit der abstrakten Eingemeindung von Tasten und Greifen ins Design natürlich noch nichts beschlossen. In beiden Hinsichten fehlt es nicht an professioneller Selbstkritik, die sich mit kulturkritischen Feststellungen zur sinnlichen Verarmung unserer technisierten (Produkt-)Welt trifft. 

Etwa: "Solange der Mensch hand-werklich tätig blieb, verlor sein Tastsinn (..) wenig an Bedeutung. (...) Der sogenannte technische Fortschritt bedeutet eine Entwertung aller sinnlichen Wahrnehmungen mit Ausnahme des Sehens." [3, S. 265] Oder: "Was die visuellen Aspekte des Design betrifft, leisten Designer ganze Arbeit (...). (...) Selbstverständlich hat jedes unserer Produkte auch akustische, taktile, olfaktorische und gustatorische Eigenschaften, jedoch treten diese lediglich als zufällige Konsequenz ästhetisch oder mechanisch-funktional begründeter Entscheidungen auf." [9, S. 68/70] Und: "Es ist heute für einen Designer möglich , von der ersten Idee zu einem Produkt über die endgültige Formgebung und Konstruktion bis zum Prototypenbau ausschließlich am Computer zu arbeiten. (...) Reine Computerdesignarbeit birgt aber die Gefahr, daß nur für den visuellen Sinn gestaltet wird. Produkte, die so entstehen, weisen nur zufällig haptische Qualitäten auf." [8, S. 33] 

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