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Haptische Wahrnehmung in der Mensch-Maschine-Interaktion

Rainer Zwisler

Gestaltungsprinzipien von Mensch-Maschine-Schnittstellen 

Unser Leben wird immer mehr von technischen Geräten geprägt, mit denen der Benutzer über eine vorgegebene Schnittstelle (Interface) interagiert. Solche Schnittstellen sind beispiels-weise Steuerelemente wie Lenkrad, Blinkhebel oder Bremspedal in Kraftfahrzeugen, Leit-stände von Kraftwerken oder auch grafische Benutzeroberflächen von Computerprogrammen. Der Benutzer beeinflußt einerseits durch das Betätigen von Bedienelementen die Maschine, andererseits melden Anzeigeinstrumente den jeweiligen Zustand des technischen Systems rück. Die Schnittstelle soll so gestaltet werden, daß sie den Bedürfnissen des Benutzers ent-spricht und leicht interpretiert sowie manipuliert werden kann. Besonders geeignet sind solche Bedienelemente, deren Funktion sich bereits im Design widerspiegelt, und die den Benutzer geradezu „auffordern", sie auf die richtige Weise zu bedienen. 

In der Literatur zur Mensch-Maschine-Interaktion findet man über die Gestaltung der entspre-chenden Schnittstellen eine Vielzahl von Arbeiten, welche üblicherweise die Anordnung und das Aussehen einzelner Bedienelemente untersuchen (siehe beispielsweise den Sammelband von Salvendy [12]). Überlegungen zur Ergonomie von Schnittstellen betreffen insbesondere deren visuelles Erscheinungsbild. Dabei muß die Informationsübermittlung nicht ausschließ-lich über den visuellen Kanal ablaufen: Son et al. [13] betrachten Sehen und Berühren als komplementäre Mechanismen und empfehlen daher für die Bearbeitung komplexerer Aufga-ben eine Kombination aus beiden Modalitäten. Nach Wickens et al. [19] fallen Aufgaben leichter, in deren Erledigung Informationen aus unterschiedlichen Modalitäten eingehen, so daß die Kombination von visuellem und taktilem Feedback besonders effizient sein müßte. 

Deshalb sollte man bei der Entwicklung von Maschinen auch die haptische Wahrnehmung berücksichtigen, bei der sich grundsätzlich zwei Arten unterscheiden lassen: Kinästhetische Empfindungen werden über afferente Informationen aus Muskeln und Gelenken sowie durch die efferente Kopie von Bewegungsmustern aus dem Kleinhirn ausgelöst und informieren über die Körperhaltung durch Parameter wie Winkel von Gelenken oder Muskelanspannung. Taktile Empfindungen werden dagegen direkt von Sensoren in der Haut übermittelt und in-formieren über Druck, Temperatur, Vibrationen oder Schmerz. 

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