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Haptik-Design im Fahrzeugbau

Martin Grunwald und Frank Krause

Einleitung

Aus gutem Grund wird dem Tastsinn und insbesondere der haptischen Wahrnehmung auch im Bereich der Fahrzeugentwicklung zunehmend Beachtung geschenkt. Aus der Sicht der Fahrzeugnutzer ist die aktive Berührung des Fahrzeuges und seiner Systemelemente der direkte Kontakt mit den funktionalen und sensorischen Eigenschaften des Fahrzeuges. Durch haptische Wahrnehmung werden wesentliche Fahrzeugeigenschaften - im doppelten Sinne - erfaßbar und deren Beurteilung bestimmt grundsätzlich ebenso die Qualität eines Fahrzeuges wie technische Leistungsparameter. Interne Konzepte, die als „Fahrgefühl" und „Fahrsicherheit" bezeichnet werden, umschreiben dabei nur einige der möglichen Beurteilungsdimensionen der Fahrzeugnutzer hinsichtlich der Fahrzeugeigenschaften. 

Über Prozesse der haptische Wahrnehmung werden grundlegende sensorische Eigenschaften des Fahrzeuges wie Stabilität, Festigkeit, Wärme, Kälte, Vibration, Druck und Lage im Raum erfahrbar. So vermittelt der Griff in den Türrahmen oder an das Lenkrad einen Eindruck von der Festigkeit und Stabilität des verarbeiteten Materials. Die Berührung der verschiedenen Oberflächen die im und am Fahrzeug gestaltet wurden, geben einen Eindruck davon wie diese Oberflächen beschaffen sind und ob sie Wärme oder Kälte abstrahlen bzw. aufnehmen. Über Vibrationen des Lenkrades oder der gesamten Karosserie werden die Fahrzeuginsassen über verschiedene situative Eigenschaften des Fahrzeuges informiert und sie können auf diese Signale reagieren. Die unterschiedlichen Druckpunkte der Pedale, Schalter, Hebel und des Lenkrades dienen der gesamten Bewegungssteuerung während des Fahrens. Ebenso vermittelt die haptische Wahrnehmung Informationen über die jeweilige Sitzposition und über die sonstigen Eigenschaften des Sitzes (z.B. Wärme- und Schweißaufnahme des Materials). Dabei werden nicht nur sensorischen Eigenschaften verarbeitet, die über das Hautorgan wahrgenommen werden können. Die haptische Wahrnehmung ist auch dafür verantwortlich, daß ohne Augenkontakt, die Pedale, der Blinkschalter, das Radio und die Warnblickleuchte schnell bedient werden können. Kurzum, alle Bewegungen des Körpers im „Fahrzeug-Raum" werden durch die haptische Wahrnehmung kontrolliert und gesteuert und sind erst durch diese Wahrnehmungsqualität überhaupt möglich.

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